Endlich mal wieder ein neuer Eintrag

Um ehrlich zu sein, ich hätte zwar die Zeit gehabt für jede Woche einen Eintrag zu schreiben, bin aber zu faul und nutze die Zeit lieber zum Mittagschlaf halten oder Essen 😀

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Ich bin jetzt bald 3 Monate hier und die Zeit vergeht einfach so rasend schnell, das ist echt unglaublich.
Viele fragen mich: ‚Was vermisst du am meisten aus Deutschland?‘ oder sowas wie ‚Vermisst du deine Familie nicht?‘
Um ehrlich zu sein: ich vermisse gar nichts (ausser ordentliche Pizza aber das kann man ja überleben). Das können viele nicht verstehen, ich selbst auch nicht, aber ich glaube dass ich nicht die einzige Austauschschülerin der es so geht.

In der 8. Woche hier hatten wir endlich Ferien.

Der Montag war der Start in die Herbstferien. Ich bin mit meinem Papa und meiner kleinen Schwester in die Stadt gefahren um dort bei der Bank alles für mich abzuklären und die Brille meiner kleinen Schwester beim Optiker zu holen. Danach stand zur Wahl, dass wir heimgehen oder in der Stadt bleiben solange Pappa zum Zahnarzt geht und meine kleine Schwestert entschied, dass wir bleiben. Also sind wir durch die Stadt gebummelt und in alle möglichen Läden herein. Was ich richtig, richtig super finde ist, dass es hier einen kleinen Laden gibt, der einfach geniales Backzubehör verkauft, was man in Deutschland als normaler Hobbybackbegeisterter teilweise gar nicht bekommt. Einfach ein Paradies für mich!

Danach haben wir uns in ein Kaffee gesetzt und eine heisse Schokolade getrunken.
Abends bin ich rausgegangen, weil wir endlich mal klaren Himmel hatte und habe mich am Sternefotografieren versucht. Gar nicht so einfach, vorallem weil ich kein Stativ hier habe und es verdammt windig war und hier sehr viel Umgebungslicht von den Häusern und Strassenlaternen ist. Als ich fast erfroren meine Sachen gepackt habe um nach Hause zu gehen begann am Horizont plötzlich ein ganz schwaches weisses etwas über den Himmel zu tanzen. Polarlichter!
Seit hunderttausendfünfhundertvierundachzig Jahren ungefähr wünsche ich mir Polarlichter einmal zu sehen und seit ich hier war habe ich immer nur voller Neid gesehen, wie Austauschschüler Bilder von Polarlichtern gepostet haben und selbst nichts anderes als Wolken gesehen habe.
Ich war so fasziniert davon, dass ich erstmal nur regungslos dastand und das weisse etwas beobachtete, wie es grösser und kleiner wird, sich windet und verschwindet und wiederkommt. Dass ist so atemberaubend schön! Es wirkt so unreal, wenn man dasteht und überraschend Polarlichter auftauchen. Später sind sie ein bisschen grün geworden, die Kamera hat sie als ziemlich grün detektiert.

Total erfroren aber glücklicher als je zuvor ging ich nach Hause, aẞ etwas und legte mich ins Bett und laẞ ein bisschen in meinem neuen Buch ‘Das Schicksal ist ein mieser Verräter’ auf norwegisch 😀 Es ist ziemlich gut, ein Buch zu lesen, das man schon vorher gelesen hat, weil man die Worte, die man nicht versteht sich aus dem Zusammenhang erschliessen kann.

Für Dienstag hatte ich mich mit einigen anderen Austauschschülern in Trondeheim verabredet. Vorher wollte ich noch kurz ein bisschen Geld vom Automaten holen, das Problem war aber, dass ich die Reihenfolge der Zahlen nicht mehr genau wusste und an dem Automat dann keine Versuche mehr hatte 😀 Naja, da ich noch genügend Geld für die Fahrt hatte, machte das nichts. In Trondheim angekommen, war es ziemlich schwierig den Treffpunkt zu finden, da die einzige Beschreibung die ich bekam ‘there’s like a big statue right next to a shopping center’ und ‘The statue is in the center of the city you have to accross the bridge and walk maybe 15 min ! It’s a statue in the center of a place !’ war.
Ja gut, was fängt man mit so viel genauer Information auf einmal an 😀 Dank google Maps, einer Nachricht in der der Name einer Bushaltestelle in der Nähe stand und Lilli bin ich dann gut angekommen, auch wenn ich ungefähr durch die ganze Stadt gelaufen bin ohne einen Plan zu haben wo ich mich befinde und wo genau ich hinmuss…

Wir hatten einen sehr, sehr schönen Tag, auch wenn wir nur 5 waren und es war gut sich persönlich mit Leuten austauschen zu können, die in der gleichen Situation sind wie man selbst.

Um meine ‘andere’ norwegische Familie mal wieder zu sehen, habe ich sie am Mittwoch besucht. Wir haben im Garten die schon total verotteten Pflaumen aufgesammelt und das mit sooo viel Enthusiasmus, unglaublich. 😀

Danach gab es Essen, typisch norwegisch natürlich mexikanisch. Das Gericht habe ich noch nie vorher gesehen geschweige denn davon gehört, liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich nicht so viel Wissen über mexikanisches Essen habe.. Später haben wir kleine Chocolate Lava Cakes gebacken, die einfach nur perfekt gelungen sind!

Abends habe ich mit einem Freund noch eine kleine Tour gemacht und wir hatten extrem viel Glück, denn der Himmel war übersät mit extrem hellen und wunderschönen, tanzenden Lichtern.

Zuhause setzte ich mich raus auf den Balkon um das weiter zu beobachten, meine Eltern setzten sich jedoch rein und schauten Fernseh, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Ich meine, da sind so krasse Lichter am Himmel, das ist sooo faszinierend und sie setzen sich rein, als wäre nichts 😀

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Für Donnerstag war geplant, dass wir nachdem das Haus aufgeräumt, mein Pappa von der Arbeit daheim ist und alles gerichtet ist zu unserer Hütte fahren. Das ist ziemlich typisch norwegisch und es gibt Familien, die jedes Wochenende in ihr kleines Cottage in den Bergen fahren. Bevor es jedoch losging hatte ich ewig Zeit und so entschloss ich mich, noch ein paar Kekse zu backen. Da ich nicht extra einkaufen gehen wollte, nutzte ich nur Zutaten, die wir sowieso zuhause hatten und am Ende kamen Apfel-Sesam-Kekse mit Schokostückchen heraus, die supergut gelungen sind.

Abends fuhren wir dann, jedoch weiss ich nicht wie lange, weil ich wie immer geschlafen habe.
Die Hütte war irgendwo in den Bergen und soooo schön! So ein kleines rotes Häuschen mit weissen Festerrahmen, einfach nur süss.

Ungewohnt war, dass wir kein fliessend Wasser hatten (Elektrizität war zum Glück vorhanden :D). So musste Trinkwasser selbst mitgebracht werden und Waschwasser konnte man aus einem kleinen ‘See’ holen der fast direkt nebendran war.

Freitag morgens nach dem Frühstück richteten wir uns alle für eine kleine Wanderung. Die Hunde wurden in den Hänger gepackt und wir fuhren an die Grenze zu Schweden, wo wir unser Auto abstellten und loszogen. Der Boden war den ganzen Weg über nur aus Moos, was zwar ziemlich angenehm war zu Beginn. Wenn man dann aber wieder auf festen Boden zurückkommt feiert der ganze Körper 😀 Als wir oben auf dem Berg angekommen waren, machten wir ein kleines Lagerfeuer, grillten Würstchen und Marshmallows mit Schokolade und tranken Tee/Kaffee.
Auf dem Nachhauseweg stand plötzlich eine Rentierherde neben der Strasse und wir hielten natürlich an, damit ich Fotos machen konnte. Den Abend liessen wir ruhig ausklingen. Am nächsten Abend, nachdem wir den ganzen Tag gearbeitet hatten, ging es ab in die Sauna und danach mit einem Eimer Wasser und einer Pumpe mit einem Duschkopf raus in die Kälte um zu duschen. Das war eigentlich richtig, richtig cool einfach draussen in der Kälte zu stehen aber trotzdem nicht zu frieren weil das Duschwasser schön warm ist. Das ganze ist zwar ziemlich unluxuriös aber für das Wochenende hats gereicht und wassersparend war es allemal. Nebenbei hatte man natürlich noch einen wunderschönen Ausblick in die Berge und die Landschaft drum herum und weil die Hütte eben weit abgelegen ist, kann man da halt mal kurz rumspazieren ohne was anzuhaben 😀 Gewöhnungsbedürftig für verklemmte Deutsche aber alles machbar

Die Wochen danach habe ich leider nicht jeden Tag aufgeschrieben was ich gemacht habe und das alles jetzt noch zu wissen scheint fast unmöglich. Eigentlich war es der ganz normale Schulalltag, nach der Schule heim oder zu Freunden, abends Training usw. An den Wochenenden hatte ich Spiele oder war in Trondheim um andere Austauschschüler zu treffen oder habe was mit Freunden oder der Familie gemacht. Achja, Stichwort Freunde.

Ich glaube die ersten 2 Monate kann man sehr gut als Einlebungs- und SichSelbstInEinemNeuenLandWiederfindenPhase bezeichnen. Man lernt unzählige Leute kennen hört tausend Namen, sieht millionen Gesichter und kann sich am Ende doch nur die Namen merken von den Leuten die im unmittelbaren Umfeld sind. Man kann sie alle als Bekannte bezeichnen aber das Wort Freund hat eine zu starke Bedeutung. Nach den 2 Monaten fing es an, dass ich nicht mehr viele neue Gesichter in der Schule gesehen habe und dass nun endgültig die Routine im Alltag ist. Ab da hiess es: Freunde finden. Das heisst in näheren Kontakt mit den Personen kommen, über tiefsinnigere Sachen als nur den normalen Smalltalk reden und jemanden zu fnden, dem man wirklich vertraut und der für dich da ist und versucht dich zu verstehen. Aber auch das lässt sich alles machem und ich habe ein paar die ich als echte Freunde bezeichnen würde. Das man wirklich akzeptiert ist, merkt man daran dass einfach hässliche Snaps z.B. während man am Backen ist von einem gemacht werden(natürlich die von unten damit man das Doppelkinn gut sieht)  und in die liebe weite Welt geschickt werden 😀
Noch immer sind alle nett und aufgeschlossen, oft sitzt man nur still daneben, weil jetzt dieser Fokus ‚DIE NEUE‘ zum Glück weg ist und sie sich eben über alle möglichen Neuigkeiten austauschen zu denen man nicht viel sagen kann. Ich persönlich finde es nicht schlimm weil es zwar einerseits aufregend war als alle irgenwas wissen wollten aber andererseits mag ich diese Ruhe wenn man das Gefühl hat nicht mehr nur als die Austauschschülerin, die man mit besonderer Beachtung behandeln muss, angesehen wird sondern dass man eben jetzt zyum Schulalltag dazugehört. Ausserdem habe ich, wenn ich dabei sitze und die anderen sich über den und den süssen Typen oder diiee Neuigkeit unterhalten nicht dass Gefühl ausgeschlossen zu sein auch wenn ich nichts oder nicht viel dazu sage und es wird mir auch nicht das Gefühl gegeben, dass ich komplett fehl am Platz bin.

Das schönste an den Schultagen ist, wenn einem Leute auf dem Flur begegnen, mit denen man eigentlich wenig zu tun hat die einem aber mir einem fetten Grinsen ein supersüsses ‚Hei!‘ schenken, auch wenns eine echt unwichtige, kleine Geste ist, das gehört zu meinen Lieblingssachen in der Schule.

Mit meiner Familie geht es steil bergauf, meine kleinen Schwestern und ich gehören jetzt wirklich zusammen und wir verhalten uns auch wie Schwestern zueinandern 😀 Meinen Eltern kann ich alles anvertrauen und mit ihnen über alles reden, wenn mal wieder irgendetwas in Deutschland oder sonst wo passiert ist, über das ich reden möchte, sie übernehmen den Job von meinen besten Freunden, grossen Geschwistern und Eltern in Deutschland auf einmal. Aber wir reden um Gotteswillen nicht nur ernst miteinandern, wir haben so viel Spass miteinandern und lachen so viel, das ist echt unglaublich. Es fühlt sich so gut an endlich ein richtiger Teil der Familie zu sein und ich bin so dankbar dass ich diese wunderbare kleine Familie als MEINE Familie bezeichnen kann.

Ein wirklich witziges Ereignis war, als ich in der Schule errzählt habe, dass ich meine ersten Rentiere gesehen habe. Da hat mich doch wirklich eine gefragt ob wir ernsthaft keine Rentiere in Deutschland haben und als ich ihr dann erklärt hab, dass wir auch keine Elche haben ist sie aus allen Wolken gefallen und hat gefragt ob wir dann überhaupt an den Weohnachtsmann glauben wenn wir keine Rentiere haben 😀 Das kam so unerwartet und war gleichzeitig so süss! Ein ander mal habe ich mich mit einer über das Essen unterhalten und als ich gefragt habe dass wir eigentlich nciht so viel Fisch essen hat sich mich ganz entsetzt gefragt wo in aller Welt wir dann die Omega 3 Fettsäuren herbekommen und wie wir das machen ohne Fisch 😀

Naja ein ander Mal ging es in Mathe bei irgendeiner Aufgabe darum irgendeine Wahrscheinlichkeit auszurechenn wofür man die Einwohnerzahl von Norwegen brauchte. Fragt mich nicht wieso, aber ich war der felsenfesten überzeugung dass hier 20 Millionen Menschen leben und als ich meine Banknachbarin gefragt hab ‚wie viele seid ihr denn eigentlich, 20 Millionen?‘ Hat sie mich total entsetzt angeschaut und einfach nur Neeeeiii gesagt 😀 Naja am Ende habe ich dann feststellen müssen dass hier nur 5 Millionen leben. Upsi.

Zum ‚Partyleben‘ in Norwegen. Es sind ganz einfache Unterschiede festzustellen.

In Deutschland fängt der Grossteil der Partys so gegen 10 an, hier ist um 10 schon der Höhepunkt vorbei 😀
Die Trinkgewohnheiten sind echt gewöhnungsbedürftig, die Norweger trinken alles pur und mixen alles, aber wirklich alles zusammen…
Gekotzt wird natürlich auch, aber nicht wie es sich gejhört ins Klo oder draussen in einen Busch, sondern ganz spontan dahin wo man sich gerade befindet 😀
Alkohol, kenn dein Limit? – Welches Limit? Die meisten die trinken, schiessen sich einfach nur raus ausm Leben, jedesmal. Den Umgang mit Alkohol müssen einige noch lernen…
BeerPong mit 3 Bechern (wtf) 😀
Das waren jetzt nur einige Unterschiede, aber glaubt mir, nicht die einzigen 😀

Inzwischen ist es vor 5 einfach nur dunkel ist, ich glaube das wird das grösste Problem für mich werden mit der Dunkelheit klarzukommen, auch wenn man mir die ganze Zeit sagt, dass ja jetzt die Sonne noch eeeecht lange da ist 😀 merk ich leider als Süddeutsche ned so viel von. Der Rest ist aber einfach nur wunderbar und ich kann mich über nichts beklagen!

Soo das sind ein paar Eindrücke der letzten Wochen und dem Leben hier, mehr wird kommen, hoffentlich in einem etwas kürzeren Abstand

Bis daaaannn

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