Woche 5

Viel zu spät kämpfe ich mich aus dem Bett, versuche meine Morgenroutine 3 mal so schnell hinter mich zu bringen und fahre mal wieder viel zu spät, um nicht ganz abgehetzt in der Schule anzukommen, los.
Zum Schultag gibt es nicht viel zu erzählen.

Abends gehe ich zu erst ins Basketball- und danach ins Volleyballtraining, was zwar anstrengend ist, aber trotzdem Riesenspass macht.

Im Basketball fragte mich meine Trainerin, ob ich nicht Lust hätte bei Spielen dabei zu sein und sagte mir, ich solle ihr meine Daten schicken, dass sie meine Spielerlizenz beantragen kann.
Ich bin sehr froh darüber und auch schon gespannt wie es ist, mit einer Mädchenmannschaft Spiele zu haben. 🙂

Auf dem Weg ins Volleyballtraining stand plötzlich am Wegesrand ein Elch, mein erster norwegischer Elch! Ich bin jedes mal aufs neue fasziniert wie riesig diese Tiere einfach sind und was für eine ruhige und geheimnisvolle Ausstrahlung sie haben.

Dienstag ist der kürzeste Tag der Woche, worüber ich mich eigentlich in\mmer freue, aber dismal mussten wir Cooper Test laufen… Ich weiss nicht, wozu man das eigentlich macht, den ich habe in meinem Leben bisher vielleicht 1 oder 2 Personen getroffen, die es mögen.
Ich jedenfalls, bevorzuge joggen mit Sinn, z.B. mit einem Hund, einer Freundin oder einfach durch die Landschaft und nicht unnötig im Kreis zu rennen 😀

Abends sind wir nach Levanger gefahren, da wir dort mit den anderen AFSern, deren Gastfamilien und Kontaktfamilien ein Treffen hatten. Es war sehr cool, die anderen wieder zu sehen, da ich mich mite in paar in Oslo schon sehr gut verstanden habe.
Ich bin mit meiner Mamma und meiner kleinen Schwester dort hingefahren, waren jedoch zu spät da das Hotel einen anderen Namen aussen dran stehen hat, als der, der uns mitgeteilt wurde 😀
Endlich im Hotel standen schon alle Austauschschüler vorne in einer Reihe und waren mitten in einer kleinen Vorstellrunde für die Eltern. Ich habe mich schnell dazugestellt und als letzte dann auch noch kurz etwas erzählt.

Dann sind die Erwachsenen in einen anderen Raum und wir wurden uns selbst überlassen. Es war sehr, sehr unterhaltsam von den anderen zu hören was sie über Norwegen und die Menschen hier denken.
Die Italiener haben sich als erstes drüber ausgelassen, dass das was die Norweger ‘Pizza’ nennen, garantiert keine Pizza ist 😀 (Hier ist der Boden super dick und es wird alles, aber wirklich alles draufgehauen. Ausserdem ist die Pizza oft sehr unsalzig)
Danach hatten wir es darüber, dass viele Norweger bei 16 Grad mit T-shirt und sobald es mehr als 18 Grad hat sogar mit Shorts aus dem Haus gehen, während wir Austauschschüler schon fast unsere Wintermäntel auspacken müssen und frieren.

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Ich habe jedoch auch gesehen, dass ich hier richtig viel Glück habe, denn drei von ihnen sind zusammen in einer Klasse, sodass die Norweger nicht mit ihnen reden, weil sie denken, die Austauschschüler haben ja sich gegenseitig. So lernt man natürlich längst nicht so schnell norwegisch, wie wenn man sich den ganzen Tag auf Norwegisch verständigen muss. Wir haben hier auch eine Japanerin, für die es besonders schwer ist die Sprache zu lernen, da es zwei komplett verschiedene Welten sind. Es ist aber auch sehr interessant die Unterschiede zwischen den verschiedensten internationalen Schulsystemen kennenzulernen und mehr darüber zu erfahren.

In der Einladung zu dem Treffen hiess es, dass es um 19:30 Pizza und trinnken geben soll. Wir waren alle, alle sehr hungrig und es kam auch dann um 20:15 Uhr die Pizza, jedoch wurde der Rest weggenommen, als jeder ein Stück gegessen hatte…
Nach einer Weile wurde jedoch noch eine Pizza nachgeliefert und ich habe mir natürlich gleich ein Stück geschnappt, bevor es zu spät war, weil ich verdammt hungrig war 😀

Nach dem Treffen bin ich mit meiner Kontaktfamilie heimgefahren, da meine Mamma schon früher heim musste. Es war ziemlich schwierig wieder auf Norwegisch umzusteigen wenn man den ganzen Abend lang nur Englisch geredet hat, ebenso wie es schwierig war ins Englisch wieder reinzukommen. Beim unterhalten mit den anderen sind mir oft zwischendurch norwegische Sätze herausgerutscht, weil ich es so gewohnt bin z.B. wenn man etwas akkustisch nicht verstanden hat oder wenn man sich über etwas wundert. Aber auch mitten in den Sätzen sind mir weder die englischen noch die deutschen Worte für das, was ich sagen wollte eingefallen.. ziemlich komisch das Gefühl.

Einmal im Jahr ist hier Aktivitätstag, an dem alle Klassen irgendwo hingehen. Meine Klasse ist mit ein paar anderen Klassen nach Skatval gefahren und haben eine kleine Wanderung auf den Forbordsfjellet gemacht.
Eigentlich war geplant, dass die Klassen jeweils eine 1x1m Karte aus allen Dingen die in der Natur zu finden sind machen sollten, aber es war viel zu kalt oben, so dass wir nach ungefähr einer halben Stunde alle wieder runter gelaufen sind.

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Unten angekommen hatten wir eine kleine Pause bevor die Lehrer mit viel zu viel Enthusiasmus versuchten uns Begeisterung für die Challenge zu vermitteln.
Und wahrscheinlich kennt das jeder, dass der Grossteil dann erst recht keinen Bock mehr hat 😀 Unsere Karte bestand au sein paar Blättern etwas Moos und Steinen und war nach 3 Minuten fertig. Andere haben sich total ins Zeug gelegt, als ob ihre Zukunft davon abhängen würde ..

‘2STI kann zum Bus gehen’ (natürlich auf norwegisch) waren dann schliesslich die erlösenden Worte und der Ausflugstag war vorbei.

Am Abend zuvor hatte ich mich mit meiner Kontaktfamilien-schwester verabredet um am Nachmittag etwas zu tun zu haben. Ich war früher vom Ausflugstag zurück als geplant, wollte aber nicht noch mal nach Hause, sodas ich eben ein bisschen in deren Garten gewartet hab bis jemand kommt. Das war aber kein Problem weil ich noch Essen und Trinken hatte und es nicht ganz so kalt war.

Drinnen haben wir erst einmal bequeme Kleidung angezogen und uns dann dran gemacht Zimtschnecken zu backen. Zwischendurch mussten wir warten bis der Teig gegangen war. Diese Zeit haben wir genutzt um uns aufs Sofa zu legen und Big Bang Theory anzuschauen ( ziemlich ungewohnt, wenn die Englisch reden und nicht Deutsch :D) und aufs Essen zu warten.

In den Familien, die ich bisher kennengelernt habe ist es üblicher, dass der Vater das Essen macht als die Mutter. Meist sind die auch die besseren Köche und machen das gerne.
Es gab ein indisches Gericht, für mich ungewohnt scharf, weil ich in Deutschland eigentlich nicht scharf esse, aber es war sehr lecker.

Nachdem der Teig gegangen war, verarbeiteten wir das ganze dann zu Schnecken und steckten diese in Ofen.

Die Wartezeit überbrückten wir mit einer Runde Walking Dead. Für mich ist es bei den englischen Filmen mittlerweile fast einfacher den norwegischen Text zu lesen, als das Englisch zu hören weil mein Englisch seitdem ich nur noch Norwegisch reden ziemlich gelitten hat.

Unsere Zimtschnecken waren der absolute Wahnsinn. Richtig, richtig gut!

Als ich abends in Jogginghose und bequemem Pullover ins Haus komme stehen plötzlich meine Grosseltern vor mir. Na toll, ein super erster Eindruck 😀
Aber ich habe dann geduscht und mich schnell salonfähig angezogen und sie richtig kennengelernt. Man kann sie als die Warmherzigkeit in Person beschreiben, wie meine ganze Familie.

Später, als sie weg waren und meine kleinen Schwestern im Bett lagen habe ich mich noch mit etwas zu Essen und meinen Eltern aufs Sofa gesetzt und die abendliche Episode House of Cards angeschaut. (Manchmal ist es auch Vikings, das wechselt sich immer ab)

Zu meinen Eltern habe ich ein sehr gutes Verhältnis und ich kann mit ihnen über alles reden. Für mich ist es sehr wichtig, dass man sich viel erzählt und weiss, dass man jemanden hat der da ist für einen.

Donnerstag: die Tage bis zum Wochenende sind gezählt! Der Schultag bringt nicht so viel interessantes, eher im Gegenteil… in IT erklärt der Lehrer eine Stunde lang verschiedene Zeichentools die man benutzen kann, um eine Katze zu malen. Das eigentliche Ziel ist, die Katze nach links und rechts zu bewegen, aber die Katze muss ja auch perfekt sein 😀

Der Freitag verlief relative unspektakulär, darüber gibt es nichts neues zu erzählen.

Samstagmorgen bin ich total übernächtigt aufgewacht, weil ich nicht sehr gut schlafen konnte und habe nur meine kleine Schwester vorgefunden, die dann aber auch bald gegangen ist.. Ich hatte keine Ahnung wo meine ganze Familie hin ist,was sich aber nach einem Anruf dann schnell geklärt hatte 😀

Um die Zeit zu vertreiben hab ich mich hingesetzt und mal wieder nach langer Zeit Klavier gespielt. Man kann aber nicht unendlich lange spielen, also habe ich eine Folge Elementary angeschaut und mich ein bisschen ausgeruht.
Irgendwann kamen meine Grosseltern, aber nicht lange, da sie das Fussballspiel von meiner Schwester anschauen wollten. Da ich nicht wusste, was ich mit der Zeit anfangen soll, habe ich die Küche durchsucht nach eventuellen Zutaten für ein leckeres Gebäck und entschied mich für Sesamtaler.

Nachdem ich die Butter und den Zucker zusammengerührt hatte, habe ich (wie wahrscheinlich jeder der backt) ein bisschen genascht und mit entsetzen festgestellt, dass ich aus Versehen salzige Butter verwendet habe 😀

Naja, nach einer Rettungsaktion bemerkte ich dass wir auch keine Milch mehr haben, sondern es nur der leere Karton war der im Kühlschrank steht.

Okay, was tut man dann? Warum nicht mal versuchen ob das ganze mit Orangensaft genauso gut geht..

Im Endeffekt habe ich nichts so gemacht, wie es im Rezept steht, sondern alles komplett anders (nicht nur die Mengenangaben, sondern auch die Zutaten). Aber es sind die bestene Kekse herausgekommen, die ich jemals gebacken habe. Meine Familie war so begeistert, dass der Grossteil ziemlich schnell weg war und sie die Kekse zu Weihnachten wieder haben wollen 😀

Samstag ist hier der ultimative Süssigkeitenwahnsinn los. Nach dem gemeinsamen warmen ‘Abendessen’ knallen wir uns voll mit Zuckerzeug.
Meine Familie isst unter der Woche so gut wie keine Süssigkeiten und holt dieses Defizit ausschweifend am Wochenende nach. Es gibt von Schokolade, Gummibärchen und Kaubonbons 130923049327 verschiedene Sorten, dazu Cola und ausgewählte Chipssorten. Dabei wird irgendeine norwegische Sendung angeschaut. Aber in Gesellschaft gemeinsam fett zu werden fühlt sich gleich viel besser an 😀

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Am Sonntag sind wir für eine kleine Wandertour irgendwo hin gefahren (ich kann nur nicht sagen wohin, da ich mir Namen verdammt schlecht merken kann und ausserdem die ganze Hin- und fast die ganze Rückfahrt verschlafen habe..)
Die Landschaft (Moorlandschaft) war meeeega schön, leider hat es die ganze Zeit geregnet, aber das ist mit passender Kleidung nicht weiter schlimm.
Wir sind also ich glaube ungefähr 4 oder 5 km zu einer kleinen Hütte gelaufen. Unterwegs haben wir sehr viele Blaubeeren gegessen und Fotos gemacht. Die Hütte war halb offen mit einer kleinen Feuerstelle davor und ein kleines Boot im Wasser. Was ich total gut fande war, das shier Schwimmwesten hingen (mit dem Hinweis man soll sie wieder zurückhängen nach Gebrauch und nicht als Sitzkissen verwenden), fertiges Feuerholz und eine Axt vorhanden war, ein Grill zur Verfügung stand und auch Töpfe, mit denen man etwas über dem Feuer erhitzen oder kochen kann und das alles für jeden der vorbeikommt verfügbar ist.

Da wir heisses Wasser für unseren Kakao vergessen hatte, machte mein Pappa schnell ein kleines Feuer und kochte Wasser aus dem angrenzenden (extrem sauberen) Fluss. Wir Frauen sassen in der Hütte auf einer Bank und ruhten uns ein wenig aus.

Zum Kakao gabs noch belegte Brote, ein paar von meinen Keksen und Schokolade, danach machten wir uns aber ziemlich bald auf den Heimweg.

Die Woche beendeten wir dann mit einem ruhigen, gemütlichen Abend.

Ah, noch ein Unterschied zu Deutschland ist, dass man hier den Briefkasten nicht am Haus hat, sondern diese immer in Gruppen zusammenhängen. Sieht teilweise richtig süss aus.

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